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Wo ist der Zauber hin?

Jahresanfang fühlt sich für mich immer an, wie ein neues Buch in die Hände zu nehmen: Man weiß nicht so genau, was da auf einen zukommt, man kennt die Protagonisten noch nicht, weiß nicht, wo sie einen hinführen, welche Dramen sich abspielen werden. Die Skepsis flirtet mit der Neugierde. Der Kalender ist vorne dünn und hinten dick, alle Jahresrückblicke sind gesendet, von jetzt an darf man nur in die Zukunft schauen nicht zurück. Dafür ist der Blick noch klar, nicht getrübt, wie mitten im Jahr, wenn man nicht mehr weiß, wo vorne und hinten ist, wann das alles eigentlich angefangen hat und wann es zu ende ist. Weiterlesen

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Ein Mädchen namens Malak

Als Malak 2002 geboren wurde, war ich 18 Jahre alt. Ich habe gerade meinen Führerschein gemacht und büffelte fürs Abitur. In den folgenden Jahren, während ich studierte, wuchs Malak in Damaskus, Syrien, auf. Sie lernte Klavier spielen, durfte auf Pferden reiten und wurde die große Schwester für drei jüngere Geschwister. Als 2011 in Syrien der Bürgerkrieg ausbrach und Malaks Leben, wie sie es kannte, auf einen Schlag zu Ende war, wurde ich gerade zur Redakteurin ausgebildet. Malak war 11 Jahre alt, als in einer Stadt nahe Damaskus 1400 Menschen durch Giftgas starben. Heute, im Jahr 2014, haben sich Malaks und meine Wege gekreuzt. Sie ist mit ihrer Familie dem Krieg entflohen und lebt seit sieben Monaten in Berlin. Seit ein paar Wochen bin ich ihre Mentorin und von jetzt an für sie da. Weiterlesen

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Sicherheit geht vor

Die Sicherheitsleute am Flughafen Ben Gurion sammeln Büstenhalter. Gerücht? Verschwörungstheorie? Wahrheit? Jeder, der schon mal von Israel nach Hause geflogen ist, hat Geschichten zu erzählen. Die allererste ist aber meistens nicht die vom Besuch des Tempelbergs, der Geburtskirche oder des Toten Meeres. Die erste Geschichte handelt meistens vom Flughafen Ben Gurion und den dortigen Sicherheitskontrollen. Eigentlich nicht der Rede wert, könnte man meinen. Doch jeder, der einmal ins Visier der Wachleute geraten ist, weiß, das diese die aufregendste Geschichte von allen ist: Weiterlesen

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Absurdistan in Kasachstan

Man muss sich mal vorstellen, Angela Merkel würde sich überlegen, dass ihr Berlin als Hauptstadt nicht mehr gefällt. Eine neue Hauptstadt müsse her, eine die strahlt, eine auf die die Welt neidisch blickt, eine, in der sie sich selbst verewigen kann. Sie entscheidet, diese neue Stadt soll im Schwarzwald stehen, da gibt es noch ein bisschen Platz. Und dann hat sie einen genialen Einfall: Die neue Stadt soll einen großartigen Namen tragen – sie nennt sie „Hauptstadt“. Weiterlesen

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Baum-Gutschein statt Bares

Dass Journalisten Geld verdienen wollen, scheint immer wieder zu erstaunen. Ähnlich wie, dass es im Sommer heiß ist und im Winter kalt. Eigentlich logisch, trotzdem sind Menschen immer wieder verwundert, wenn es dann doch so ist: „Puh, ist das heiß“, „Wahnsinn, wie kalt es ist, oder?“, „Ach, du bist Journalistin. Und wie lebst du davon?“. Hier zwei Beispiele, dass viele den Journalismus als Hobby und nicht als Beruf sehen: Weiterlesen

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Jedem Anfang wohnt ein Schauder inne

Wer in einer Wohnung in Berlin lebt, die nicht gerade in einem Keller, unter einer Schlagzeugschule oder über einer Werkstatt für Fräs-Bohrmaschinen liegt: Bleibt, wo ihr seid, und kommt nicht auf die Idee, umzuziehen. Dass der Berliner Mietmarkt kein Wellnessbereich ist, ist bekannt. Aber dass es so schlimm kommt, wenn man eine neue Wohnung sucht, hätte ich nicht gedacht. Weiterlesen

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Der Wüstenritt

Okay, es war mal wieder Zeit, etwas Verrücktes zu tun. Eine Idee zu verfolgen, über die ich (zugegebenermaßen) nicht allzu lange nachgedacht hatte und die ich (vielleicht gerade deshalb) wahnsinnig aufregend fand: Mit dem Fahrrad die Wüste durchqueren. Einmal durch halb Israel zu fahren. Von Jerusalem, der Heiligen Stadt, 400 Kilometer in 5 Tagen nach Eilat, dem Konsumtempel am Roten Meer. Eine Reise durch Extreme, eine Reise durch Hitze, Staub und Einsamkeit. 5 Irrtümer über die Negev muss ich an dieser Stelle aufklären: Weiterlesen

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Steine gegen das Vergessen

Manche Menschen wollen ja nicht nur zu ihren Lebzeiten, sondern auch noch nach ihrem Tod kontrollieren, wie es weitergeht. Der Ort in Israel, der das am besten symbolisiert, ist der Ölberg. Er ist allen drei monotheistischen Religionen heilig. Es heißt, der Messias werde hier, wenn er denn dann kommt, das Jüngste Gericht halten und die Toten erlösen. Um sich eine möglichst gute Position in der Warteschlange zu sichern, bevorzugen Juden es, sich auf dem Ölberg begraben zu lassen. Weiterlesen