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Geht’s noch, Herr Schubert von der SZ?

Kürzlich habe ich einen Kommentar mit dem Titel „Hippe Besseressies“ in dem Münchenteil der Süddeutschen Zeitung gelesen. Wenn sich der Leser aufregt, heißt es im Journalismus, ist alles gut, dann reagiert er wenigstens emotional auf das Produkt. Besser als gar nicht. Die SZ ist eine Zeitung nah an meinem Herzen, aber was der Autor Andreas Schubert da produziert hat, ist einfach nur Panne.

In seinem Text (http://bit.ly/1JUHI8u) kritisiert er Tierschützer dafür, dass sie eine Mahnwache vor dem Münchner Schlachthof abgehalten und dabei Grabkerzen angezündet haben. Er schreibt: „Wir wollen deshalb auch nicht spießig sein und sagen, dass es gerade in Zeiten, in denen sich eine Krise und humanitäre Katastrophe an die nächste reiht, vielleicht passendere Anlässe gäbe, um Grabkerzen aufzustellen. Leid mit anderem Leid zu vergleichen, ist genauso albern wie das Sendungsbewusstsein radikaler Tierschützer.

Ja, was will er denn dann, der Herr Schubert, wenn nicht Leid mit Leid vergleichen? Neun Jahre Lateinunterricht sagen mir, dass es sich bei seinem Geschwurle um eine Litotes handelt. Negation des Gegenteils, schönes Stilmittel, Herr Kollege, aber leider nur allzu entlarvend. Denn natürlich will er damit sagen: Ihr Tierschützer, setzt euch lieber für Menschen ein! Nur leider sind die, die kritisieren, wenn jemand sich „nur“ für Tiere engagiert, meistens die, die gar nichts machen. Wohingegen Menschen, die sich für Tiere einsetzen, auch meistens was für Menschen tun. Weil Helfen nicht mit moralischen Hierarchien, sondern mit Haltung zu tun hat.

Herr Schubert: „Wir könnten uns aber dazu hinreißen lassen, ihnen zu raten, doch bitteschön mal auf dem Teppich zu bleiben. Von uns aus darf das gerne einer aus biologisch angebauter Baumwolle sein, garantiert ohne Schafsfell oder sonstigem Raubgut aus der Tierwelt.“Man will ihn gerne fragen: „Haben Sie eigentlich nichts besseres zu tun, in Zeiten, in denen sich eine Krise und humanitäre Katastrophe an die nächste reiht, sich über die lustig zu machen, die wenigstens versuchen, sich ein kleines bisschen einzusetzen?“ Da ich aber selbst aus München komme, weiß ich, wie schnell einem der Föhn da schon mal das Hirn benebelt. Andreas Schubert scheint von der Sorte „mei, schau, das süße Ferkel – mhm lecker Steak“. Kritik an moralischer Erhöhung mit eigener Doppelmoral? Schwierig.

In einer Welt voller Massentierhaltung, Flüchtlings- und Naturkatastrophen ist es für mich das einzig logische, vegetarisch zu leben, mich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren und nach dem Erdbeben für Nepal zu spenden. Das macht mich noch lange nicht zu einem guten Menschen und schon gar nicht zu einem besseren. Aber, Herr Schubert, und danach komm ich gerne wieder auf meinen biologisch angebauten Baumwollteppich runter, Menschen Kritik zu ersparen, wenn sie einen kleinen Unterschied machen wollen, hat mit Respekt zu tun. Und wäre obendrein mitmenschlich.

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